Allgemein Employer Branding Recruiting

Active Sourcing – Das neue Allheilmittel im Recruiting?

Talent Sourcing. Sich von der Masse abheben. Beschaffung von Talenten. Gefunden werden.

Immer häufiger tauchen Schlagworte wie „Active Sourcing“, „Direktansprache“, „Social Media Recruiting“, „Talent Acquisition“ oder „Active Search Recruitment“ auf. Doch was steckt dahinter?

Wegen der aktuellen Flaute passender Bewerbungen bei einer Vielzahl offener Stellen und dem mangelnden Rücklauf auf Stellenanzeigen machen sich viele, die sich mit Recruiting beschäftigen, Gedanken, wie sie zu neuen Mitarbeiterinnen kommen. Es ist nicht neu, dass Personalvermittlungen, Personalberatungen und Recruiting-Agenturen den Unternehmen Unterstützung beim Recruiting neuer Mitarbeiterinnen anbieten. Je nach Schwerpunkt versuchen diese Anbieterinnen, potenziell Interessierte auf verschiedenen Kanälen zu kontaktieren und für einen Jobwechsel oder ein neues Unternehmen zu begeistern.

Viele Personaldienstleisterinnen und Unternehmen haben sich von der klassischen Zeitungsannonce verabschiedet und auf digitale Stellenanzeigen auf verschiedenen Job-Plattformen gesetzt. Der Rücklauf der Bewerbungen wurde gesichtet, mit den interessantesten Kandidatinnen gesprochen und der am besten passenden Person wurde die offene Stelle angeboten.

 

Post-and-Pray

In den letzten Jahren bekam diese Vorgehensweise den Zusatz „Post-and-Pray-Recruiting“. Dies steht dafür, eine Anzeige zu schalten („post“) und zu hoffen oder zu beten („pray“), dass sich passende Personen bewerben und sich darunter die Idealbesetzung findet. Seit mehr als fünf Jahren haben Unternehmen verstärkt auf Employer Branding als neue Zukunftshoffnung gesetzt. Durch die Stärkung der Arbeitgebermarke ging man davon aus, den drei wesentlichen Entwicklungen zu begegnen, und zwar:

  • demografischer Wandel
  • verändertes Werteverständnis der Workforce
  • technologische Entwicklung

Trotz, oder vielleicht, wegen immer neu entstehender Jobplattformen und einem Allzeithoch an ausgeschriebenen Positionen haben auch diese Online-Stellenmärkte offensichtlich an Bedeutung verloren, gemessen am Rücklauf auf eine Anzeige im Vergleich zu vergangenen Jahren.

 

Social Networks

Zunehmend hat eine neue Mischung aus Social Network Kanälen an Bedeutung gewonnen. Dazu zählen vor allem Xing, Linkedin, Lebenslaufdatenbanken, aber auch Facebook, Instagram, Pinterest, You Tube, persönliche Internetseiten, Blogs, Empfehlungsnetzwerke, Clubs, Vereine, Vereinigungen, Empfehlungen über Mitarbeiterinnen und viele mehr. Viele Kandidatinnen nutzen privat oder aus beruflichen Gründen diese Plattformen und verwenden auf der Suche nach einer neuen Stelle der Einfachheit halber oft Google.

 

Neue Berufe – Active Sourcing oder Talent Acquisition Manager?

 Somit waren und sind ständige und aktive Bemühungen um Bewerberinnen erforderlich. Das Active Recruiting entstand und mit ihm neue Rollen wie Active Sourcer oder Talent Acquisition Manager. Wichtig wurde, dass ein Active Sourcer, also die „neue“ Recruiterin, Businessnetzwerke wie Xing oder LinkedIn gezielt nach passenden Kandidatinnen durchsucht und aktiv auf diese zugeht. Diese Methode war Personalberaterinnen und Recruiterinnenn in der IT oder Technik schon länger bekannt, heute ist sie für einen Großteil der Berufe erforderlich. Auch wenn die so gefundenen Kandidatinnen dann doch nicht auf eine aktuelle Position passen oder nicht an einem Jobwechsel interessiert sind, kommen sie in den „Talent Pool“ für künftige Stellen. Die Aufgabe des „Active Sourcing Managers“ ist demnach, mit diesen Talenten oder auch „Second Best-Bewerberinnen“ für potenzielle zukünftige Positionen in Kontakt zu bleiben.

 

Maßnahmen im Active Sourcing

Auch die unternehmenseigene Karriereseite gehört vom Active Sourcer betreut, da sie eine wichtige Anlaufstelle darstellt. Offene Positionen, Online-Bewerbungsportal, Testimonials, Videos aus dem Berufsalltag und vieles mehr samt Aufforderung, sich aktiv zu bewerben, dem „Call-to-Action“, fallen in diesen Teil des Active Sourcings.

Präsenzen in digitalen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram sowie in den Businessnetzwerken LinkedIn und Xing haben zunehmend an Bedeutung für Unternehmen gewonnen, vor allem wenn junge Talente zur Zielgruppe des Recruitings gehören. Ansprache und Kommunikation auf diesen Kanälen fallen in den Bereich des Social Recruitings.

Ein immer wichtigerer Bereich ist, neue Mitarbeiterinnen über das firmeninterne Personal zu gewinnen. Daher gehört auch das Empfehlungsmanagement zum aktiven Teil des Recruitings. Über 40% der Empfehlungen können zu einer Einstellung führen und die „Time-to-Hire“ mehr als halbieren.

 

Ist Active Sourcing lästig?

Und wie reagieren die vom Active Sourcer angesprochenen Kandidatinnen? Je nach der Häufigkeit und Form des „aktiven Findens“ fühlen sich manche teils geschmeichelt, teils genervt. Spezialistinnen in der IT kennen die direkte Kontaktaufnahme schon seit vielen Jahren, in anderen Berufssparten ist es noch relativ neu. Lässt sich erkennen, dass es sich bei der Ansprache um eine Standardformulierung handelt, ist die Angesprochene weniger geneigt zu antworten. Fällt man zu schnell mit der „Tür ins Haus“ erntet der Active Sourcer manchmal auch ein schnelles Nein. Wie in der Werbung, muss auch bei dieser Form des Recruitings zuerst die Beziehung entwickelt und das Interesse für einen Jobwechsel oder das potentielle Unternehmen geweckt werden.

Vermutlich steht das Active Sourcing, obwohl bereits von vielen Firmen in unterschiedlichen Graden ausgeübt, erst am Anfang. Der Zeitaufwand für Active Sourcing ist größer als für das bisher übliche Bewerberinnenmanagement und es bleibt fraglich, ob Active Sourcing die Stellenanzeige ersetzen kann.

 

Conclusio

„Active Recruiting“ kann als Oberbegriff für alle anderen Aktivitäten im „Active Sourcing“, dem aktiven Erschließen von Quellen bzw. der aktiven Beschaffung, betrachtet werden. Die Arbeit im Recruiting verändert sich dadurch, die Maßnahmen müssen ständig weiterentwickelt und vor allem kontinuierlich durchgeführt werden. Zielgruppenanalyse und entsprechende Strategien lassen vermehrt an Marketing denken als an klassisches Recruiting. Und natürlich gehören die Aktivitäten und Maßnahmen aufeinander abgestimmt, um im Active Sourcing erfolgreich zu sein.

Ist Active Sourcing in Ihrem Unternehmen bereits ein Thema? Welche Hürden sehen Sie, welche Erfolge verzeichnen Sie? Und wie sehen Sie die Zukunft des Active Sourcings? Wir freuen uns auf den Austausch.

 

Verfasst von Helga Krachler, LL.B. MBA, Helga Krachler Personal.Beratung, www.helgakrachler.at

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4 Comments

  • Reply
    Edith Neudhart
    10. Februar 2022 at 12:02

    Ein toller Beitrag. Der Begriff Active Sourcing fällt immer häufiger – hier ist das Prinzip dahinter gut erläutert. Danke Helga Krachler.

    • Reply
      HRM Experts Group Wien
      14. Februar 2022 at 15:09

      Vielen Dank! Active Sourcing gewinnt in der Unternehmenspraxis immer mehr an Bedeutung und wird bereits verstärkt als zusätzliche Rekruiting-Maßnahme eingesetzt.

  • Reply
    Ursula Lassbacher
    11. Februar 2022 at 9:45

    Ich finde den Beitrag sehr interessant und bestätigt nur meine Meinung. Ein eindeutiger Paradigmenwechsel im Bereich Recruiting ist zu erkennen. Herzlichen Dank Ursula Lassbacher

    • Reply
      HRM Experts Group Wien
      14. Februar 2022 at 15:18

      Vielen Dank für Ihr Feedback und die Rückbestätigung aus Ihrer Praxis. Aktives Ansprechen von Kandidat*inn*en wird vermutlich zukünftig einen noch höheren Stellenwert einnehmen und daraus resultierend wird die Mitarbeiterbindung für Unternehmen sehr anspruchsvoll werden.

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