Diversity & Inclusion Employer Branding Flexibilisierung Recruiting

Behinderte Menschen als Fachkräfte

Behinderte Menschen am Arbeitsplatz: Zwei Männer, wobei einer davon im Rollstuhl, sitzen am Besprechungstisch und geben sich ein High Five.

Der Fachkräftemangel ist evident und er wird uns vermutlich noch lange begleiten. Eine Gruppe, in der sich viele dieser Arbeitskräfte befinden, und zwar behinderte Menschen, wurde bisher in den meisten Fällen kaum berücksichtigt. Scheinbare Nachteile in der Bewertung der Einsetzbarkeit und des Nutzens für die Unternehmen überwogen bisher, aber jetzt ist es höchst an der Zeit, diese Bewertungen neu durchzuführen.

Behinderte Menschen finden schwerer einen Job

Egal wie Menschen mit Beeinträchtigungen und besonderen Talenten, handicapped people oder einfach Behinderte „korrekt“ adressiert werden: Sie finden nur selten jenen Platz am Arbeitsmarkt, der möglich wäre. Sowohl Arbeitnehmerinnen als auch Arbeitgeberinnen blenden sich bietende Chancen zugunsten eines defizitorientierten Bewertungssystems aus und verschwenden damit Potential. Die Begründung dafür klingt dann oft so: „die können das nicht“ oder „das ist alles zu kompliziert“. Statt der Einschätzung der Kompetenzen und Potentiale, die Menschen mit Beeinträchtigungen mitbringen, richtet sich das Augenmerk auf einige organisatorische Maßnahmen, die es zu beachten gilt. Diesen Aufwand will man meiden und verzichtet so auf oft besonders loyale und engagierte Mitarbeiterinnen.

Behinderte Menschen haben in den meisten Fällen über Jahre hinweg gelernt, mit ihren Beeinträchtigungen umzugehen und diese möglichst auszugleichen, ihre funktionstüchtigen Sinne sind oft besonders trainiert. So achten Sehschwache mehr auf das Gehörte, körperlich Beeinträchtigte verlegen sich mehr auf die Kopfarbeit, Hörbehinderte fokussieren auf das Geschriebene u.v.m. Es bringt Vorteile, wenn Personalverantwortliche den Fokus verstärkt auf diese besonders trainierten Bereiche und den Menschen als Ganzes mit seinen Stärken und Talenten legen, um das optimale Betätigungsfeld im Unternehmen zu finden.

Was braucht es von den Unternehmen?

Neben einer wertschätzenden Firmenkultur und einem offenen Mindset ist bei der Umsetzung vor allem eine gute Planung wichtig. Insbesondere das pandemische COVID-19-Geschehen erfordert im Umgang mit Menschen, die häufiger zu den besonders Vulnerablen gehören, ein gutes Sicherheitskonzept mit den entsprechenden Maßnahmen. Profitieren werden von diesen Maßnahmen freilich alle im Unternehmen.

Rechtliche Situation und Förderungen

Im öffentlichen Bewusstsein hat sich meist noch nicht durchgesetzt, dass begünstigte Behinderte in den ersten vier Jahren ihrer Beschäftigung ohne besonderen Kündigungsschutz im Unternehmen arbeiten. Dies gilt für den Fall, dass zu Beginn des Arbeitsverhältnisses die Behinderteneigenschaft bereits festgestellt ist.

Diese Frist läuft ab dem Zeitpunkt der direkten Anstellung im Unternehmen. Sollte bereits vorher eine Beschäftigung im Rahmen eines Zeitarbeitsverhältnisses im selben Unternehmen vorliegen, zählen diese Zeiten nicht zu jener Frist, in welcher der besondere Kündigungsschutz greift. Die Sorge der Unternehmerinnen, Menschen mit einer Beeinträchtigung nur noch unter erschwerten Bedingungen kündigen zu können, lässt sich somit beträchtlich relativieren.

Unterstützung bieten hier auch eine Vielzahl von gemeinnützigen Vereinen, Stiftungen usw., die sich aktiv darum bemühen, für ihr Klientel Beschäftigung zu ermöglichen. Erfreulicherweise sind diese Institutionen in ihren jeweiligen Wirkungsbereichen durchaus erfolgreich. Für bestimmte Positionen in Unternehmen scheint es aber dennoch nötig zu sein, gemeinsam mit Personalberaterinnen vorzugehen und die passenden Mitarbeiterinnen für bestimmte Positionen zu finden.

Unternehmen können ab einer gewissen Größe bzw. Anzahl beschäftigter begünstigter Behinderter die regelmäßigen Zahlungen für die Behindertenausgleichstaxe einsparen, Mitarbeiterinnen aus bestimmten Personengruppen, wie etwa blinde Menschen, werden sogar doppelt auf die Pflichtzahl angerechnet.

Die von zumeist staatlicher Seite gebotenen finanziellen Anreize sollten, bei all ihrer bundesland- und institutionsabhängigen Unterschiedlichkeit, nicht darüber hinwegtäuschen, dass es durchwegs attraktive (Lohn-)Förderungen zu lukrieren gibt. Wer sich als Arbeitgeberin für die richtige Taktik entscheidet, erschließt gleich auf mehreren Ebenen das Potential guter Personalarbeit: Wirklich gut passende und somit engagiert arbeitende Mitarbeiterinnen halten den Personalaufwand niedrig und der dadurch entstehende Spielraum kann genutzt werden, um mit noch attraktiverer Entlohnung die Mitarbeit zu fördern. In Summe ergeben sich mehr Effizienz bei gleichzeitig geringerem finanziellen Aufwand.

Auch die Zusatzaufwände für eventuell nötige Unterstützungsleistungen (z.B. Arbeitsassistenz, spezielle Software, Umbauarbeiten) werden von staatlicher Seite beträchtlich unterstützt. Zu beachten ist hier, dass die Antragstellung meist vor Beschäftigungsbeginn zu erfolgen hat.

Bedarfserhebung ist der Schlüssel zum Erfolg

Wie bei jeder Jobbesetzung ist für den Erfolg essentiell, dass alle Anforderungen des Arbeitsplatzes und die Erwartungen an die Mitarbeiterinnen im Vorfeld genau erhoben werden, um dann die Fachkräfte über die vielversprechendsten Kanäle und den jeweils geeigneten Methoden zu finden. Diese Maßnahmen versprechen in Kombination mit der österreichischen Anreizpolitik viele erfolgreiche Kooperationen und den Unternehmen winkt zusätzlich eine Steigerung ihrer Profitabilität. Einen Versuch ist das jedenfalls wert!

Unterstützung bieten unter anderem das AMS, das NEBA Betriebsservice, die Wirtschaftskammer, das Sozialministeriumservice, diverse Behinderteneinrichtungen und spezialisierte Personaldienstleisterinnen, die die Mitarbeiterinnen unkompliziert mittels Zeitarbeit bereitstellen können, sowie bei Förderungen und inhaltlichen Fragen beratend zur Seite stehen.

Sind auch in  Ihrem Unternehmen Potentiale für behinderte Fachkräfte vorhanden?

 Dieser Blogbeitrag wurde verfasst von:  Mag. Jürgen Atzlsdorfer, Y3 GmbH, www.yhoch3.at

 

Das könnte Sie auch interessieren

No Comments

Leave a Reply