Allgemein Kompetenzmanagement

Richtig Zuhören als Führungskraft – ein echter Erfolgsfaktor

Mann hält seine Hand an sein Ohr und lauscht aufmerksam fliegenden Buchstaben

Aufmerksames Zuhören stellt eine oftmals unterschätzte Fähigkeit dar. Dabei handelt es sich um einen garantierten Erfolgsfaktor, der Unternehmen dabei hilft, Kosten zu sparen und die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen zu erhöhen. Viele Studien belegen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer generellen Managementkompetenz und dem richtigen, aufmerksamen und vor allem aktivierenden Zuhören. Besitzen Sie diese Fähigkeit, werden Sie Ihre eigenen Potenziale und die Ihrer Mitarbeiterinnen intensiver und breiter entfalten. Ihre Mitarbeiterinnen werden näher an das Unternehmen gebunden, die Stimmung im Betrieb wird sich wesentlich verbessern.

Wichtig zu wissen ist, dass jeder Mensch Zuhören schnell und einfach erlernen kann, wenn er dazu die Bereitschaft hat. In diesem Blogbeitrag finden Sie Ideen, wie Sie richtiges Zuhören in Ihren Arbeitsalltag integrieren können. Lernen Sie ein paar Förderer und Verhinderer guten Zuhörens kennen.

Akzeptanz

Akzeptanz bedeutet die wertfreie und vorurteilsfreie Aufnahme des Gesagten. Schildert die Mitarbeiterin der Führungskraft ein Problem, wird in deren Kopf unmittelbar ein Handlungs- und Denkmuster aktiviert. Dieses besteht aus sofortiger Bewertung der Situation, Frage nach Schuld und Verantwortung, Lösungsanspruch im Sinne des Unternehmens, eventueller Sorge in punkto der eigenen Stellung im Unternehmen u.v.m. Dadurch gibt es kaum Raum für eine Vertiefung des Gesprächs. Die Führungskraft ist bereits mit Lösungen beschäftigt, schreibt Urteile und Schuld zu, echte Akzeptanz hat hier keinen Platz. Natürlich ist es Aufgabe einer Vorgesetzten, Lösungen zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Die Frage ist nur, wann sie mit der Lösungssuche beginnt.

Wie können Sie Akzeptanz erlernen? Es ist einfacher, als Sie denken! Machen Sie es sich in Zukunft immer sofort bewusst, wenn Sie vorschnell urteilen und werten. Je öfters Sie sich dabei erwischen, desto mehr wird es Ihnen bewusst und die Veränderung setzt ein.

Achtsamkeit

Alles weglegen, was das bewusste Zuhören stört, den Affengeist, der von Idee zu Idee hüpft, bändigen, den Körper und die Aufmerksamkeit dem Sprechenden zuwenden und Informationen frei von Wertung aufnehmen – das ist Achtsamkeit und das hat Wirkung.

Direktive Reaktionen (bestmöglich) vermeiden

Mit direktiven Reaktionen sind all jene Reaktionen von Zuhörerinnen gemeint, die vermeiden, dass ein Dialog in die Tiefe geht, sich Beziehungen festigen, Emotionen erkannt und aufgefangen werden.

1) Ratschläge sind auch Schläge

Einer der häufigsten Verhinderer guter Dialoge sind Ratschläge, vor allem wenn Sie nicht danach gefragt werden. Ja, es klingt vielleicht komisch, da Führungskräfte ihre Arbeit oft dadurch definieren, dass sie anderen Ratschläge geben und das ungefragt und ständig. Dies birgt aber gewisse Gefahren. Wenn Ihre Mitarbeiterinnen lernen, dass Sie jedes Mal die einfachsten Probleme für sie lösen, dann werden diese sich dahin entwickeln, dass sie auch bei jeder kleinen Herausforderung zu Ihnen kommen.

2) Weitere direktive Reaktionen

  • Sprechen Sie sofort über Ihre Sicht der Dinge – sind Sie eine Ich-Umkehrerin? Dh. sprechen Sie sofort über Ihr Thema und Ihre Probleme, auch wenn Sie nur zuhören sollten?
  • Finden Sie, dass die Probleme Ihrer Mitarbeiterinnen nur Kleinigkeiten sind? Bagatellisieren Sie?
  • Be-werten Sie viele Aussagen unmittelbar? Bewertung führt zu gefühlter Abwertung.

Verhinderer schaffen schnell ein eher giftiges Gesprächsklima, geben Sie darauf acht!

Tipps für wirksame Reaktionen beim Zuhören

Nicht-direktive Reaktionen sehen vor, dass Sie die Sprecherin unbeeinflusst ausführen lassen, und Sie den Inhalt steuern, indem Sie nicht steuern – paradox aber wirksam. Sie lenken ein Gespräch, indem Sie Raum geben, Ideen entstehen lassen und davon ausgehen, dass im Kopf Ihrer Mitarbeiterinnen auch die passenden Lösungen auf Entdeckung warten.

1) Die Paraphrase für mehr gegenseitiges Verständnis

Bei der Paraphrase wird der Inhalt des Gehörten von der Zuhörerin kurz in eigenen Worten wiedergegeben, die Sachebene ist im Fokus. Hier auch die emotionale Lage der anderen Person aufzunehmen und zu reflektieren, ist von Vorteil, jedoch nicht zwingend notwendig. Wenn Sie sehr sachorientiert führen, dann fällt es womöglich schwer, Emotionen zu benennen. Die Paraphrase ist daher der schnelle und einfache Weg, aufmerksames Zuhören zu signalisieren. Diese Technik ist sofort anwendbar und braucht kein langes Training. Es geht hierbei ausschließlich um Konzentration, Interesse und Fokus.

 2) „Grunzen Sie einfach sozial“

Diesen Förderer wenden Sie mit Sicherheit mehrfach täglich an. Kurze Botschaften wie „Aha”, „Hm”, „Interessant” etc. sind wirksame und wichtige Zeichen des aufmerksamen Zuhörens. Man nennt sie soziales Grunzen oder, noch furchtbarer, „Gesprächsverlängerer”.

Beachten Sie dabei:

  • Der Rhythmus macht es aus: Passen Sie Ihre „Grunzlaute” dem Sprechrhythmus der Erzählerin an. Es zeigt sich eine Dissonanz, wenn Sie drei Mal „Mhm” sagen, während die andere Person den Satz noch nicht einmal beendet hat.
  • Variieren Sie die Aussagen: Es gibt viele mögliche Bestätigungslaute. Immer der gleiche ermüdet und lässt in Routine verfallen.
  • Geben Sie die Laute stets am Ende des Satzes von sich und nicken Sie dazu leicht.

Alle vorher angeführten Haltungsaspekte können Sie übrigens ideal mit dem sozialen Grunzen kombinieren. Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit effektivem Zuhören in Ihrer Rolle als Führungskraft oder Mitarbeiterin gemacht?

 Dieser Blogbeitrag wurde verfasst von:  Jürgen Melmuka, www.commitment.co.at

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