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Female Leadership: Wer braucht Frauen an der Macht?

Erfolgreiches, freudiges Team junger Geschäftsleute in einem modernen Büro

Kennen Sie erfolgreiche weibliche Führungskräfte in Ihrem Umfeld? Sind Sie vielleicht selbst eine solche? In beiden Fällen ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie erfolgreichen Frauen mit etwas Vorsicht und eventuell mit ein paar Stereotypen begegnen. Brauchen wir also mehr Frauen an der Macht und wenn ja, warum?

Heidi oder Howard?

Im Jahr 2015 wurde die „Heidi und Howard“ Studie der Harvard Business School veröffentlicht. Die Probandinnen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und beide Gruppen bekamen den echten Lebenslauf von Heidi Roizin, einer erfolgreichen Risikokapitalgeberin und Netzwerkerin aus dem Silikon Valley, zu lesen. Die Studienteilnehmerinnen wurden anschließend gebeten, Ihre Meinungen über den Lebenslauf zu äußern. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Gruppen bestand im Namen der zu beurteilenden Person: eine Gruppe beurteilte die reale Heidi und die zweite – den erfundenen Howard, alle anderen Details der Biographie und der beruflichen Entwicklung blieben dieselben.

Die Ergebnisse haben selbst die Wissenschaftlerinnen verblüfft. Die Studentinnen stuften zwar Heidi und Howard gleichermaßen kompetent und fachlich überzeugend ein, Howard wurde allerdings als wesentlich beliebter als Heidi wahrgenommen. Howard wurde als ein netter Kollege eingeschätzt, mit dem man gerne zusammenarbeiten und auf ein Bier gehen würde. Heidi im Gegenteil: eher unsympathisch. Sie wurde als zu egoistisch gesehen und „nicht die Art Person, die man gerne einstellt oder für die man gerne arbeiten würde“. Wir erinnern uns: es ging um dieselbe reale Person Heidi Roizin.

Korrelation zwischen Erfolg und Sympathie

Die Ergebnisse sind nicht zufällig oder geographisch spezifisch, vielmehr geht es um vergleichbare Stereotypen auf der ganzen Welt. Der Zusammenhang zwischen Erfolg und Sympathie ist bei Männern positiv: ein beruflich erfolgreicher Mann ist beliebter und mehr anerkannt.

Bei Frauen scheint diese Korrelation hingegen negativ zu sein: eine ehrgeizig und beruflich erfolgreiche Frau wird sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit Zurückhaltung oder Bedacht angesehen. Denn in vielen Köpfen steckt der Glaubenssatz, dass eine „gute“ Frau mit „weiblichen“ Eigenschaften wie Diplomatie, soziale Kompetenzen, Mitgefühl ja schwer zur selben Zeit entscheidungsstark, durchsetzungsfähig und risikofreudig sein kann – so wie es von einer starken Führungskraft erwartet wird.

Wie profitieren Unternehmen und Mitarbeiterinnen von weiblichen Führungskräften?

Aus den veröffentlichten Bilanzen weiß man, dass Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen nicht nur um 15% mehr Gewinn erreichen (prominenteste Beispiele sind u.a. Google, Amazon, Starbucks, Microsoft) und innovativer sind. In heterogenen Teams mit einem höheren Frauenanteil gibt es außerdem einen wesentlich stärkeren Zusammenhalt, einen spürbaren Teamerfolg und kreative Lösungen. Den männlichen Leadern sagt man nach, dass sie zwar schneller Verantwortung übernehmen, hingegen kümmern sich weibliche Leader viel mehr um ihre Mitarbeiterinnen und Kolleginnen. Sheryl Sandberg, Co-Geschäftsführerin (COO) von Facebook bringt es in ihrem Buch „Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg” so auf den Punkt: „Male leaders take charge, women leaders take care“.

Es gelten also zwei Tatsachen gleichzeitig: Unternehmen profitieren von dem höheren Frauenanteil in Führungspositionen. Gleichzeitig sind ihnen Frauen an der Spitze suspekt und oft unsympathisch. Wie gehen wir mit dieser Diskrepanz um?

Wandel in den Köpfen

„Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst“ – sagte Mahatma Gandhi.

Die Themen Gleichberechtigung und Gleichstellung beschäftigen unsere Gesellschaft bereits seit einiger Zeit: in der Gesetzgebung, in der Politik, in der Kinderbetreuung. Für eine tiefergreifende Veränderung benötigen wir aber einen starken Paradigmenwechsel in unseren Köpfen, und zwar gleichermaßen bei Männern und Frauen! Selbst wenn bei männlichen Kollegen noch immer genug Skepsis herrscht, was die Rolle der Frauen am Arbeitsplatz und bei der Unternehmensgestaltung betrifft, könnte ein rein pragmatischer Zugang helfen: wir erinnern uns an die Marktleader mit mehr Gewinn und Innovationen und stärkeren Marktpositionen.

Frauen wiederum könnten und sollten öfter aufzeigen, sich in die ersten Reihen setzen, aktiver mitreden und auch Mut haben, „unweiblichen“ Eindruck zu hinterlassen. Diverse Untersuchungen der Unternehmenskultur beweisen, dass Ideen dann gehört und ausprobiert werden, wenn sie von einem Mann einmal und von einer Frau drei Mal(!) wiederholt ausgesprochen werden – beim ersten Mal werden Frauen oft einfach überhört. Mit diesem Wissen ausgerüstet sollen also Frauen ihren Botschaften immer wieder Nachdruck verleihen und bei wichtigen Themen dranbleiben, selbst wenn sie (leider) nicht beim ersten Mal gehört werden.

Was genau können Sie in Ihrem Unternehmen tun?

Zum Schluss noch paar praktische Gedanken von meiner Seite, wie Sie zukünftige weibliche Leader stärken und von ihrer Expertise in Ihrem Unternehmen profitieren können:

  • Trauen Sie Ihren Mitarbeiterinnen mehr zu, als Sie auf den ersten Blick an möglichen Potentialen erkennen können: jede und jeder von uns kann in einer psychologisch sicheren Umgebung über seine Grenzen hinauswachsen.
  • Wir haben alle zweifelsohne unsere tiefsitzenden Denkmuster und Vorurteile. Versuchen Sie dennoch nicht in Kategorien zu denken: alt/jung, männlich/weiblich, inländisch/ausländisch, Heidi oder Howard… Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die Stärken, Expertise und mögliche Einsatzbereiche Ihrer Mitarbeiterinnen. Vielfältige Menschen werden immer eine Bereicherung für Ihr Unternehmen sein!

Ich bin überzeugt, dass auch Sie bereits eine gute Erfahrung mit „Female Leaders“ gemacht haben, nicht wahr? Berichten Sie von Ihren Erfahrungen!

 Dieser Blogbeitrag wurde verfasst von:  Mag. Olga Wölfl, Optimismus Werkstatt, www.optimismus-werkstatt.at

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