Trennungsmanagement

Mitarbeiter kündigen: Eine Achterbahn der Gefühle

HR Blog: Mitarbeiter kündigen, Trennungsmanagement

Professionalität im beruflichen Kontext verlangt auch nach einem angemessenen Umgang mit Gefühlen. Manche meinen sogar, Emotionen ausblenden und sich stattdessen ausschließlich auf die Sachebene konzentrieren zu müssen. Gilt das auch für Emotionen in Verbindung mit Kündigungen?

Als Personalistin habe ich in den letzten 20 Jahren etliche Dienstgeberkündigungen begleitet: Solche auf Grund betrieblich bedingter Reduktionen oder wenig zufriedenstellender Leistungen und solche auf Grund von persönlichem Fehlverhalten.  Dienstgeberkündigungen zählen auch für uns Personalisten zu den Schattenseiten unserer Tätigkeit. Wir fühlen mit den Führungskräften, denen der Ausspruch einer Kündigung oft viel Überwindung kostet und auch mit den betroffenen Mitarbeitern. Ungeachtet der Tatsache, dass Mitarbeiter mit mangelnder Leistung oder aufgrund ihres Verhaltens selbst verantwortlich für die Entscheidung waren, geht es hier doch um Menschen und ihre Existenz.

Unsere Professionalität, Erfahrung und eine gewisse Distanz als Prozessbegleiter lässt uns gefasst, manchmal beinahe kühl erscheinen. Aber was geht in mir selbst als Führungskraft vor, wenn ich eine Kündigung ausspreche?

Kündigung eines eigenen Mitarbeiters

Ich traf bei meiner letzten Mitarbeiterkündigung die Entscheidung durchaus gut überlegt. Einige Mitarbeitergespräche gingen dieser Kündigung voran. Trotz sehr klar ausgesprochener Erwartungen änderte sich nichts an der Qualität der Zusammenarbeit. Ich stimmte mich mit meinem Geschäftspartner ab und wir entschieden aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus, die Kündigung erst in einigen Monaten auszusprechen.

Am Tag des Kündigungsausspruchs wachte ich mit Bauchweh auf. Mein Hirn bekräftigte vehement die Entscheidung, mein Körper hätte sich gerne gedrückt. Warum?

  • Schaffe ich es, meine Enttäuschung und meinen Ärger zur Seite zu schieben und das Gespräch so zu führen, dass der Mitarbeiter keinen Gesichtsverlust erleidet?
  • Schaffe ich es, mich in keine Diskussionen verwickeln zu lassen?
  • Wie wird er reagieren und kann ich auf seine Reaktion angemessen reagieren?
  • Wie wird das restliche Team reagieren?
  • Wie wird die Kündigung kundenseitig aufgenommen?
  • Werden wir das wirtschaftlich spüren?

Anspannung und Unsicherheit machte sich breit. „OM“ …möglichst fokussiert bleiben! Mir war bewusst, dass nur die beiden ersten Punkte in meinem Einflussbereich liegen. Also konzentrierte ich mich darauf, wie ich das Gespräch beginne.

Alle guten Ratschläge, die ich als Personalistin Führungskräften mitgebe, versuchte ich zu verinnerlichen. Himmel, welche waren das nochmals? Ach ja, kein Smalltalk, sehr rasch auf den Punkt kommen, die Botschaft sollte in den ersten Minuten klar formuliert sein. Dann muss erst mal die Reaktion abgewartet werden.

Also übte ich mehrmals laut vor dem Spiegel die ersten 5-6 Sätze. Unfassbar! Jetzt habe ich mich schon 5 Mal verhaspelt. Also aufschreiben! Nochmals üben! Das kann doch nicht so schwer sein? Selbst im Üben war meine Stimme brüchig. Wie kann denn das sein? Ich wusste, ich möchte definitiv nicht mehr mit diesem Menschen zusammenarbeiten, wo war also mein Problem?

Die Kündigung selbst

Wie verabredet traf ich mich mit dem betroffenen Mitarbeiter im Büro. Als ich ihn sah, verengten sich ärgerlich meine Augen und ich wurde durch und durch steif. Tief durchatmen war angesagt. Ich fragte ihn, ob er einige Minuten für mich hat. Seine widerwillige Reaktion bestätigte mich innerlich nochmals. Mein Kopf schrie „Hach – nie wieder!“

„Ich rede nicht um den heißen Brei herum, sondern komme gleich zum Punkt. Ich beende hiermit unsere Zusammenarbeit. Wir hatten in der Vergangenheit einige Gespräche, wie ich mir eine Zusammenarbeit vorstelle. Deine Leistung bei Kunden ist fachlich großartig – das weißt du – und ich ärgere mich zu häufig über deine Art mir gegenüber und wie du Interna handhabst.“

Erleichterung – „PHU“, es ist gesagt, wenngleich meine Stimme durchaus rau wurde. Meine Scheu vor zwischenmenschlichen Konfrontationen lässt sich nun mal nicht wegzaubern. Wie erwartet war seine Reaktion eher bockig. Er verstünde das nicht, er wäre nun mal so, ich müsse mich auf ihn einstellen können, ich müsse doch verstehen, usw. Unwillkürlich seufzte ich (verdrehte wohl auch innerlich die Augen) und richtete mich auf. Mein Ärger darüber ließ mich beinahe in den Argumentationsring steigen. Die Personalistin in mir siegte aber glücklicherweise: „Lieber X, meine Entscheidung ist gefallen.“

Er versuchte es nochmals. Unbehagen – ich fühlte mich wie auf der Anklagebank – ließ mich sagen „Dann bin eben ich und meine Unfähigkeit, dir hier entgegenzukommen, Schuld an diesem Ausgang.“ Himmel, warum hab ich das gesagt? Mein Verstand fand bereits eine Erklärung: „Na gut, so kann er hier hoch erhobenen Hauptes raus und alles ist gut“.

Wir klärten noch das Procedere und die Formalitäten. Als er endlich das Büro verließ, war ich unendlich erleichtert. Ich habe es hinter mich gebracht. Hoppla, doch schlecht vorbereitet – schnell noch ein E-Mail an KollegInnen außerhalb des Büros.

Erst danach verließ mich die körperliche Anspannung. Ich war völlig erschöpft. Gut, dass ich keinen unmittelbaren Folgetermin hatte.

In den nächsten Tagen erhielt ich Rückmeldungen, dass die geschäftliche Umwelt (die Kunden, das Team) diese Entscheidung sehr begrüßten. Meine Entscheidung war mehr als gerechtfertigt und dennoch spielten meine Gefühle währenddessen Achterbahn.

Gedanken

Ich hoffe, ein nächstes Mal gibt es nicht. Wenn doch, werde ich mich nicht nur inhaltlich, sondern vor allem innerlich auf diese Achterbahnfahrt vorbereiten. Ungeachtet der Entscheidungsgrundlage lassen mich Dienstgeberkündigungen weder als Führungskraft noch als Personalistin unberührt. Und ich hoffe für mich persönlich, dass das niemals anders sein wird.

 Dieser Blogbeitrag wurde verfasst von:  Mag. Eva Rechberg, HR-Punktum, www.hr-punktum.at

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